Skip to content

Zwischenstand zu LoRa Mesh

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich von dem Thema "LoRa Mesh" erfahren habe (Long range Radio) erfahren und noch viel kürzer her, dass ich aktiv eingestiegen bin. Doch in der kurzen Zeit konnte ich viel erfahren (durch Lesen und Erlebnisse).
Am Anfang war Meshtastic
Mit der Anwendung "Meshtastic" hat die aktive Nutzung der LoRa-Funktechnologie für andere Zwecke als die Übermittlung simpler Sensordaten (Temperatur, Luftdruck usw.) begonnen - nämlich die internetunabhängige Übertragung von Textnachrichten. Damit konnte die Anwendung zeigen, das LoRa durchaus das Potential hatte, Nachrichten auch im Ausfall anderer Kommunikationsmöglichkeiten übertragen zu können.
Leider war die Anwendung "zu erfolgreich" und hat sehr schnell einen großen Nutzerkreis begeistert - so wie einst 1971 der CB-Funk in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Nutzer wollten aber vor allem nur eines: Quatschen! Sprich: Leichte, lockere Kommunikation über Belangloses - und das mit möglichst weit entfernten Gleichgesinnten. Meshtastic hat dies geboten, da mehr oder weniger alle Stationen (Nodes) gleichberechtigt gearbeitet und Nachrichten weitergeleitet haben. Durch Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten (Hoher Standort, Filter, gute Antennen etc.) konnten hier trotz der maximalen Anzahl von Weiterleitungen (7 Hops) konnten hier beispielsweise Menschen in Österreich mit Menschen in der Nord-Westschweiz kommunizieren.
Feine Sache - aber leider extrem problematisch für die Kommunikation im Notfall. Denn man konnte zwar festlegen, dass eigene Nachrichten z.B. nur dreimal weitergeleitet werden konnten (max. Hops 3) - aber man konnte nicht filtern, welche Nachricht man empfangen würde.
Sprich: Für eine stabile Notfallkommunikation auf Dauer war Meshtastic nicht wirklich geeignet.
Dann doch nützlich
Für einen Zweck war - besser gesagt "ist" - Meshtastic dann doch sehr gut zu gebrauchen: Die schnelle Errichtung von Ad-Hoc-Funknetzwerken. Denn: Meshtastic-Funkgeräte (Nodes) sind ab dem Einschalten innerhalb wenige Sekunden empfangsbereit und gehen sofort auf Sendung. Auch sind alle Nodes gleichberechtigt und leiten Nachrichten weiter.
Man kann damit also extrem schnell und mit extrem wenig Aufwand (Node, Akku/Batterie, Antenne und für Akkus noch ein Solarpanel mit Ladeelektronik) errichten und sofort zum Einsatz bringen. Jeder zusätzliche Node erweitert dann das Netz ohne etwas daran konfigurieren zu müssen (MESH = Selbstvernetzende Netzwerk-Technologie).
Somit kann ein Notfallnetz - z.B. bei einem Stromausfall, Hochwasser oder selbst bei einem Hochhausbrand - innerhalb weniger Minuten betriebsbereit eingerichtet werden.
Hierfür habe ich ein grundlegendes Meshtastic-Notfunkkit entwickelt (Textbeschreibung & Video-Vorstellung), welches im Endeffekt skalierbar ist und mit seinen 4 Nodes (und 4 Handfunkgeräten) die absolute Grundlage für ein solches Netz darstellen kann. Das Kit ist durch seinen stabilen Koffer sogar aus einem Hubschrauber abwerfbar, und kann daher in vom Hochwasser eingeschlossenen Ortschaften sofort für eine Verbindung nach Außen und ein internes Kommunikationsnetzwerk sorgen. Dazu passen auch meine CB-Notfunk-Pakete, welche die Verbindung einer Region über physische Grenzen hinweg ermöglichen sollen. 
Übrigens: Ich habe hierfür tatsächlich Kritik von einigen Seiten bekommen. Sogar lustig hat man sich gemacht über meine Bemühungen, Geräte herzustellen, welche eine Katastrophe auch überleben können.
... dann kam Meshcore
Ein Mensch in Australien (Liam Cottle) hat sich mit den Schwächen von Meshtastic analysiert und in einer neuen Anwendung namens "Meshcore" versucht, diese zu beseitigen. Zum einen lagen dieser in der nicht vorhandenen Struktur von Meshtastic - und vor allem darin, dass jeder Node einfach vollkommen unmotiviert seine (und die von ihm wiederholten) Nachrichten in die Gegend "geschrien" hat - ohne Info darüber, ob diese jemals irgendwo ankommen würden.
Dazu hat er vollkommen korrekt erkannt, das ein Meshnetz, trotz seiner selbstvernetzenden Fähigkeiten, doch am besten mit einer Infrastruktur funktioniert. Und so hat er die verwirrenden und vielfältigen Konfigurationsmöglichen auf wenige Rollen reduziert:
  • Companion  Der ganz normale Benutzer. Er kann seine Nachrichten in seiner gesamten Funkreichweite versenden - aber nicht weiter. Mehrere Companions (Freund, Begleiter, Wohltäter, Kumpel) zusammen bilden dann ein lokales Netzwerk in welchem jeder jeden versteht - aber keine Nachrichten über dieses Netzwerk hinaus transferiert werden.
  • Room-Server  Die Funktion einer Mailbox ist schon extrem lange bekannt und in der Datenwelt extrem beliebt, und gipfelte dann irgendwann im EMail-System, welches wir aus dem Internet kennen (SMTP, POP, IMAP). Und schließlich sind auch Meshcore Nutzer nicht ständig in der Lage, ihre "Smart Devices" in der Hand zu halten. Daher kann ein "Room-Server" als kleine "Mailbox" und als lokales Chat-System für Gespräche genutzt werden - selbst wenn im Netzwerk nicht jeder Companion mit den anderen direkt sich unterhalten kann.
  • Repeater  Dieser "Umsetzer" (aka "Relais") hat als einziger die Möglichkeit, Nachrichtenpakete weiterzuleiten - und zwar an jeden anderen Repeater und Companion, welcher diesen empfangen kann. Man kann sowohl "an alle" senden - oder festgelegte Routen benutzen, um den Nachrichtentransport zu vereinfachen.
... dies nur in aller Kürze zum System "Meshcore".
Die Vorteile für den Notfunk und die Krisenkommunikation
Wie man sieht, benötigt ein funktionierendes Netz daher zumindest eine minimale Infrastruktur: Mindestens einen Repeater und am besten auch noch einen Room-Server, wobei letzterer die Funktion eines Repeaters mit übernehmen kann. Man erspart sich so sogar noch eine Funkstation. 
Die Vorteile des Meshcore-Systems gegenüber Meshtastic sind nicht sofort ersichtlich, aber tatsächlich eminent:
  • Man kann nämlich seine Nachrichtenpakete in einer Region (egal wie groß und/oder klein diese ist) kursieren lassen, ohne diese zwangsweise mit der ganzen Welt teilen zu müssen.
  • Man kann Regionen miteinander verkoppeln durch gezielte Aussetzung eines Repeaters - und damit die Reichweite gezielt erhöhen.
  • Man kann endlich Nachrichten speichern und später abrufen. Das war zwar auch mit Meshtastic möglich, aber hier musste jeder Client immer eingeschaltet sein. Bei Meshcore reicht es, wenn ein Room-Server aktiv bleibt. 
  • Es lassen sich bereits vor eine Katastrophe Infrastrukturen errichten, warten, pflegen und testen, ohne dass die ganze Welt davon erfahren und an diesem beteiligt werden muss.
Und natürlich kann mein oben beschriebenes Meshtastic-Notfallkit bequem auf Meshcore umstellen - in dem man einen fünften LoRa-Node als Room-Server konfiguriert und diesem je nach Wunsch auch die Funktion eines Repeaters verleiht. Dies kann sogar im Betrieb problemlos ein- und ausgeschaltet werden per Funkfernsteuerung. 
... und da war doch noch was mit den Funkamateuren
Natürlich sind Funkamateure überall dort mit ihrer Nase dabei, wo elektromagnetische Wellen zur Kommunikation benutzt werden. Daher sind diese auch bei "LoRa Mesh" nicht fern und bilden einen Großteil der Benutzer der beiden aufgeführten Systeme - auch wenn diese nicht auf Frequenzen kommunizieren, welche für den Amateurfunkdienst in der Bundesrepublik Deutschland freigegeben sind. 
Da Funkamateure aber in Sachen Frequenzen, Antennen, Sendeleistung etc. ganz andere Möglichkeiten besitzen als der LoRa-Nutzer ohne eine Amateurfunkgenehmigung, hat man sich hier ein eigenes System erdacht: Meshcom
Dieses ist primär dazu gedacht, auf Frequenzen um 433 MHz zu arbeiten. Weiterhin ist Funkamateuren problemlos die Nutzung von hohen Sendeleistungen (bis max. 750 Watt Senderausgangsleistung) vorbehalten. Auch benötigen diese keine Einschränkungen im Sendeverhalten. Der sogenannte "Duty-Cycle-Wert" entfällt - womit sie unbegrenzt lange Nachrichten unbegrenzt oft und mit hoher Bandbreite versenden und empfangen können - ganz im Gegensatz zu Meshtastic und Meshcore, welches hier durch die genutzten ISM-Frequenzbereiche und Auflagen limitiert sind. 
Leider hat man das Meshcom-System an APRS angebunden - das seit Jahrzehnten genutzte "Automatic Position Reporting System" der Funkamateure. Eine an sich gute Idee, nur leider im Krisen-/Katastrophenfall nutzlos, da dieses APRS nicht ohne das Internet funktioniert. Da wir aber von einem ausgefallenen Internet als Mindest-Szenario für eine Krise betrachten müssen, ist dieses Meshcom, wenn es nicht gerade für feste Funkverbindungen genutzt wird, dann leider nutzlos.
Zudem bräuchte man dann für jede Funkstation einen Funkamateur - und so viele gibt es nicht mehr in der Bundesrepublik Deutschland. Zudem haben die Bundesdeutschen Funkamateure ein Organisationsproblem.
Entweder sie sind im Bundesverband der Funkamateure DARC e.V. organisiert. Dann müssen sie sich an die Struktur des Verbandes halten, welcher als solche nichts entscheidet, sondern die Aufgaben an seine Ortsverbände und "Distrikte" abgegeben hat. Zudem wird der Not- und Katastrophenfunk im DARC extrem stiefmütterlich behandelt. Neue Kilowatt-Endstufen und Anhänger voller WLAN-Equipment sind hier wichtiger, als sich vernünftig zu organisieren.
Oder die Funkamateure sind - ganz so wie der Autor dieser Worte - nicht (mehr) organisiert, haben daher in der Regel keinen Anschluss an einen DARC-Ortsverband und haben (ab hier wieder nicht wie der Autor) eine Abneigung gegen das "sich organisieren". Dazu kommt noch der Föderalismus der Bundesrepublik - und die vielerorts vorhandene Abneigung von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), mit hochnäsigen und selbstverliebten Funkamateuren zu kooperieren - eine Hol-Schuld der Funkamateure und das DARC e.V. bzw. seiner Distrikts- und Ortsverbände.
... und nun?
Nach den Monatelangen Erfahrungen des Autors dieser Zeilen möchte er seinen Lesern folgendes mit auf den Weg geben für den Notfunkbetrieb mittels LoRa Mesh-Technik:
  1. Meshtastic ist gut zum Experimentieren und zum Sammeln erster Erfahrungen. Die Anzahl der Meshtastic-Nutzer in der BRD nimmt derzeit aber beständig ab. Dennoch: Nirgendwo kann man besser erfahren, was mit der LoRa Mesh Technologie möglich ist.
    Wie zuvor beschrieben ist Meshtastic für den "Erstangriff" aber durchaus sehr gut brauchbar und geeignet.
  2. Möglichst bald wünscht man sich aber in Sachen Notfunk ein stabiles und vor allem problemloses Netz. Daher sollte man - ist man von der LoRa Mesh-Technologie überzeugt - möglichst bald mit der Installation eines Meshcore-Netzes beginnen, diese beüben und so weit wie möglich optimieren in Sachen Erreichbarkeit und Signalstabilität.
  3. Hat man sein Meshcore-Netz einsatzbereit (am besten geht dies in Kooperation mit anderen), geht man zur Katastrophenschutzbehörde seines Landkreises oder Gemeinde - und stellt dieses (funktionierende) Netz einfach mal vor, zeigt, was es kann und wie man dieses handelt. Man stellt das Potential vor (am besten im Rahmen eines Szenarios) und bietet den BOS an, dieses aktiv in ihr Notfallkonzept für Landkreis oder Gemeinde einzubeziehen.
Meshcom (die Amateurfunkvariante) halte ich aus den oben beschriebenen Gründen nicht tauglich, im Krisen- und Katastrophenfall einen nennenswerten Mehrwert zu liefern und zu bieten. 
 

Von der "fast" Unmöglichkeit, den Behörden zu helfen und anderen Schwierigkeiten

Enttäuschung auf ganzer Linie

Wir Notfunk-Aktivisten erleben dies immer wieder:

Wir haben tolle Ideen, sind in der Lage diese technisch und taktisch umzusetzen und bieten diese zur öffentlichen Nutzung an – und seitens der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) der Bundesrepublik Deutschland will niemand etwas davon wissen. Wir ernten in der Regel Ablehnung („wir haben alles, was wir brauchen“), massive Arroganz („WIR sind die BOS und wenn Du nicht Mitglied bei uns bist, bist DU gar nichts“), Abfälligkeiten („Spielzeugfunker“) oder gar völlige Ignoranz.

Lediglich wenn ein Angehöriger dieser BOS sich für eine bestimmte Technik begeistert und diese mit einbringt in „seinen Verein“ oder „seine Organisation“, wird die Technik – natürlich auf persönliche Kosten des Mitgliedes – geduldet.

Beispiel: In meiner ehemaligen Eigenschaft als Fachdienstleiter „Information und Kommunikation“ (IuK) in Deutschlands größter BOS-Organisation sowie Gründer und Leiter einer Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UG-SanEL) im Katastrophenschutz habe ich in Ein Einsatzleitfahrzeug ausgebaut. Dieses erhielt auch ein Amateurfunkgerät, um im Katastrophenfall Kontakt zu den Funkamateuren meines Landkreises herstellen zu können. Natürlich musste ich das Funkgerät selbst bezahlen – und es hat niemand weiteren interessiert, dass eine Einsatzeinheit des Katastrophenschutzes diese Kommunikationsmöglichkeit besaß.

„Was nicht von uns kommt …“

Daraus folgt: Wenn eine Idee nicht von den BOS oder auch nur einem ihrer Mitglieder/Mitarbeiter kommt, wollen die BOS hiervon schlichtweg nichts wissen. Selbst Funkfachfirmen, welche diese BOS mit „sicherer Kommunikation“ ausstatten, sind nicht interessiert und verdrehen alleine schon bei der Erwähnung einer Hobbyfunk-Technologie einfach nur die Augen. Man könne damit kein Geld verdienen, heisst es dann nur lapidar.

Dennoch wird die Bevölkerung immer wieder dazu aufgefordert vorzusorgen – wie beispielsweise in der aktuellsten Publikation des Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (in welcher das Wort „Bürgernotfunk“ noch nicht einmal Erwähnung findet).

Technik und Ideen ohne Ende

Und dennoch gibt es im Bereich der Hobbyisten und des Amateurfunkdienstes Technologien, von welcher die BOS noch nicht einmal vor der Einführung des TETRA-BOS-Funknetzes (aka „bosnet“) geträumt haben.

Ein paar Beispiele:

  • Internetunabhängige Textübertragung auf Basis von Messenger-Diensten über kurz und weite Entfernungen (aka „LoRa Mesh“ – Longrange Radio als Mesh-Netzwerk) mit extrem kleinen, kostengünstigen und stromsparenden solar-betriebenen Funkeinheiten
  • Digitaler Sprechfunk für lange, mittlere und kurze Distanzen
  • Komplette Datennetzwerke auf TCP/IP-Basis und drahtlosen Verbindungsstrecken können Sprache, Bild und Video bundesweit transportieren – und sind nicht anfällig gegen Erdarbeiten durch Bagger – dem „schlimmsten Feind der Erdverkabelung“.
  • Satellitenfunk in Bild, Video, Ton mit relativ geringem und kostengünstigen Aufwand
  • Auch ohne Satellit können Bilder und Video über weite Strecken übertragen werden.
  • Weitverkehrs-Funkverbindungen auf Kurz- und Ultrakurzwelle für Sprache und Daten – analog und digital
  • Funkverbindungen zu unseren Europäischen Nachbarn in Sprache und Daten
  • Funkverbindungen in der Katastrophe zur Bevölkerung über kurze und mittlere Distanzen
  • Und noch vieles vieles mehr

Und wie bekommen wir jetzt Beides zusammen?

Auf der einen Seite haben wir ambitionierte und moderne Funktechnik (im Gegensatz zum 40 Jahre alten TETRA-BOS-Funk) und auf der andere Seiten finden wir Betonköpfe, Ignoranten und Unwilligkeit, sich von der Bevölkerung, welche man doch schützen soll, helfen zu lassen – in der Regel unter der Begründung des Versicherungsschutzes und der „Ahnungslosigkeit“ der Bevölkerung selbst.

Da gibt es doch eine ganz einfach Idee:

  • Die Bevölkerung – WIR ALLE – baut ihre eigenen Funk-systeme und Funknetze auf – je nach Können und Möglichkeiten.
  • Die Funknetze bauen wir so, dass die Netzstationen Landratsämter, Rathäuser, Feuerwachen, Rettungswachen und Polizeistationen im Notfall erreichen können.
  • Selbst wenn einfach nur ein Funker im Katastrophenfall mal „schnell über die Straße“ läuft, um der Polizei auf der anderen Straßenseite Bescheid zu geben, dass sich hier und dort ein Unfall ereignet hat.
  • Und wenn dann alles zusammenbricht – egal ob als Kommunikationsausfall (geschieht in der BRD fast tagtäglich durch Baggerarbeiten), Stromausfall (Blackout, egal wie Lange) oder anderen wirklich kritischen Notlagen – spaziert man gemütlich zu den BOS (vielleicht einem Katastrophenschutz-Leuchtturm) und bietet dort die eigene Technik zur Nutzung an!
  • Der jeweilige Einsatzleiter wäre ein extrem dummer Mensch, wenn er in der Not diese Hilfe ablehnt.
  • Wenn man diese ganzen Netze und Systeme in Normalzeiten (also ausserhalb von Krisen und Katastrophen) organisiert, systematisiert und vor allem so miteinander koordiniert, dass sich hier alles gegenseitig ergänzt und nichts überschneidet, erreicht man eine echte und wirkungsvolle Hilfe für die Bevölkerung in einer eventuellen Not.

So schaffen wir es, mit unserer Lieblingstechnologie zu arbeiten – und dennoch für die Bevölkerung etwas zu konstruieren, was im Zweifelsfall Leben retten kann.

Fazit

Wer helfen will, kann sich mittels seiner Lieblingstechnologie jederzeit einbringen in ein System, welches in Krisen, Katastrophen zum Wohle der Bevölkerung zur Verfügung stehen wird – und nicht nur im Rahmen „eines Wellfare-Betriebes“ – sondern als echtes Rückfallnetz in der Not!

Darum: Nicht reden – machen!

Beste Grüße, Guido, DJ1NG

 

Retevis RB669: Frequenz und Einstellungen von anderem Gerät kopieren (übernehmen)

Vom Telegram-Nutzer Felix (@pferseeer) erreicht uns folgender hilfreicher Tipp:

Das allseits beliebte Funkgerät RETEVIS RB669 bietet eine tolle Funktion, welche nich tim Handbuch verzeichnet ist: Das "Kopieren" bzw. Übernehmen von Frequenz und ggfs gesetztem CTCSS- oder DCS-Signal.

Der Sinn der Funktion ist klar: Versteht man sich nicht mit seinem Gegenüber (z.B. im Notfall) kann man das Retevis auf die Einstellungen des anderen Funkgerätes setzen, ohne ein Programmierkabel und Software zu benötigen. Daher: Extrem praktisch im Notfall.

Vorgehensweise:

  1. RB669 einschalten
  2. gewünschtes Band PMR (70cm) oder FreeNet (2m) auswählen
  3. RB669ausschalten
  4. Kanal 1 auswählen
  5. beide seitlichen Tasten gedrückt halten und dabei das Gerät einschalten
  6. Die beiden Tasten loslassen, die LED beginnt langsam zu blinken
  7. Gewünschten Speicherkanal wählen
  8. Am Funkgerät der Gegenstation die Sprechtaste drücken (ein bis zwei Sekunden)
  9. War der Kopiervorgang erfolgreich, quitiert die RB669-LED dies mit schnellerem Blinken und erlischt dann.
  10. Ab jetzt sollte eine Sprechverbindung zwischen beiden Geräten möglich sein.

Wir bitten darum, an folgendes zu denken und dieses zu beachten:

Das Programmieren von Frequenzen, welche NICHT den Funkanwendungen PMR446 oder Freenet zugeteilt sind, ist nicht legal und darf maximal in einem Notfall (Rechtfertigender Notstand) oder einer Katastrophe (siehe Katastrophenschutz-gesetzgebung der jeweiligen Bundesländer) erfolgen.

Notfunkkoffer für CB- und UKW-Jedermannfunk

Hinweis: Alle Bilder können durch anklicken vergrößert werden.
 
Als Projekt für Auszubildende wurde der Bau eines Notfunk-Koffers als "DEMO-Koffer" für mein Unternehmen in Angriff genommen. Diese Koffer sollte folgende Spezifikationen haben:
  • Betrieb an 230V AC und an 12V DC
  • Eingebauter Akku (12V DC)
  • FreeNet (VHF), PMR446 (UHF) und CB-Funk (HF) - also alle Möglichkeiten, welche der Hobby-/Jedermannfunkbereich derzeit bietet
  • Messgerät für die Batterie

Die gedachten Einsatzzwecke sind wie folgt:

  • Landratsämter, Behörden Bürgermeister- und Gemeindeämter, welche im Katastrophenfall eine funktionsfähige Rückfallebene zur Verfügung haben sollen (siehe Ahrtal)
  • Aktive Notfunker, welche einen Einsatzkoffer haben möchten, der alles kann, was technisch derzeit in diesem Bereich möglich ist.
  • Bürgernotfunker, welche sich keine Gedanken machen wollen, sondern im Falle des Falles nur noch öffnen, anschliessen, einschalten wollen

Die Funkgeräte und das Messgerät habe ich geliefert (aktuelle Modelle). Alle anderen Teile wurden ausschliesslich der "Schrottkiste" entnommen bzw. durch ausrangierte Teile realisiert. Daher ist das Aussehen des Koffers auch nicht wirklich ansehnlich. Was zählt war hier erst einmal die Realisierbarkeit und damit eine Darstellbarkeit der Kosten.

Herausgekommen ist dieses Gerät:

Koffer_FrontRückansichtBackpanel

 

 

 

 

Es handelt sich um einen stabilen Holzkoffer mit massiven Kanten, Stoßecken, Schmetterlingsschlössern und eine separaten Anschlussplatte hinten.

Die Stecker für 230V und 12V sind unterschiedlich kodiert, können also nicht verwechselt werden.
Hersteller: NEUTRIK powerCON XX - Blau: NAC3MPXXA - Weiss: NAC3MPXXB-WOT

Ebenso wurden die Antennenbuchsen unterschiedlich ausgeführt - zum einen, weil das Material gerade vorhanden war, und auch, weil ich eine Verwechslung der Antennen vermeiden wollte.
CB: Doppel N-Buchse (weiblich) - FreeNet/PMR: Doppel-BNC (weiblich)

Das Backpanel kann jederzeit ausgebaut und ausgetauscht werden - und hat meinen Kollegen sehr viel Arbeit in Sachen "Bohren von Löchern" erspart - vor allem weil ich das Panel selbst zusammengebaut habe wink

Teile

 

 

 

 

Öffnet man nun den Gehäusedeckel befinden sich im Inneren folgende lose Teile:

  • 1 Anschlusskabel 12V DC
    Stecker: Neutrik powerCon NAC3FXXB-W-L - Stecker: Powerpole 32A
  • 1 Anschlusskabel 230V AC
    Stecker: Euro-Schuko gewinkelt - Stecker Neutrik powerCon NAC3FXXA-W-L
  • 1 Magnetfuß - Stecker: BNC (männlich - Dualband-Antenne für VHF/UHF

Die Antenne dient eindeutig nur als NOTANTENNE und sollte zum einen unbedingt nur auf einem Autodach oder einer großen Blechfläche eingesetzt werden und zum anderen baldmöglichst im Einsatz z.B. durch eine Hochantenne ersetzt werden.

Aufgrund der Größe ist keine CB-Funk-Antenne enthalten. Es kann zwar eine in der passenden Größe mitgeführt werden. Diese würde aber keinen Meter mehr Reichweite bringen als die VHF/UHF-Antenne. Daher muss diese zusätzlich mitgeführt werden - z.B. als Magnetfuß-Antenne.

Frontplatte

 

 

 

 

Auf der Frontplatte finden wir folgendes vor:

VHF/UHF - Team Duo Mobile 2/70
FreeNet (149 MHz): 6 Kanäle, 1 Watt PEP, FM - PMR446 (446 MHz): 16 Kanäle, 0,5 Watt PEP, FM
Das Gerät kann gleichzeitig auf VHF und UHF empfangen - und während dem Senden auf einem Band, auf dem jeweils anderen Band hören und ist somit voll Relaistellentauglich.

HF - Albrecht AE6290 - CB-Funk (27 MHz): 80 Kanäle, AM, FM, 4 Watt PEP
Auch dieses Gerät ist von Haus aus tauglich, über eine CB-Funk Relaisteelle 8Repeater) zu arbeiten, da es entsprechende Einstellmöglichkeiten besitzt.

Messgerät:
Mesung der internen Versorgungsspannung für die Funkgeräte in Volt
Über einen Widerstand Messung des Stromverbrauches für die Funkgeräte in Ampere

Frontplatte innen

 

 

 

 

Die Frontplatte sieht von hinten natürlich etwas "wild" aus, da es sich nach wie vor offiziell nur um ein Demo-Gerät handelt.

Man kann deutlich das Messgerät, die Lautsprecher für beide Funkgeräte und den Ein-/Ausschalter erkennen. Dieser schaltet nur die Spannung für die Funkgeräte ein und aus. Daher kann der interne Akku jederzeit auch ohne Funkbetrieb geladen werden.

Auf Betriebsanzeigen für die einzelnen Spannungen wurde im Demo-Koffer verzichtet. Es wäre allerdings sinnvoll, eine solche noch einzufügen um zu signalisieren:

  • Betrieb über 230 V von extern
  • Betrieb über 12V von extern
  • Betrieb über 12V von intern (eingebauter Akku).

Da der Koffer im ursprünglichen Verwendungszwecke als Demo-Koffer für ein TETRA-BOS-Funkgerät diente, sind noch diverse Löcher vorhanden, und die Frontplatte dementsprechend schon stark beansprucht.

Innen Geräte

 

 

 

 

Der Blick in das Innere des Koffer zeigt auch hier eine "Wilde" Verdrahtung, welche natürlich jederzeit durch eine fachgerechte Verdrahtung und Verschaltung ersetzt werden kann.

  • Links oben:  VHF/UHF-Funkgerät
  • Rechts oben: CB-Funkgerät
  • Rechts unten: BleiGel Akku, 12V, 7 Ah
  • Links an der Seite: Netzteil mit USV-Funktion - Typ PowerOne GPN6154B

Das bedeutet: Fällt die 230V Stromversorgung aus, fällt das Netzteil automatisch auf 12V Betrieb zurück. Steht 230V zur Verfügung, lädt das Netzteil die Batterie (gesteuert, mit Überwachung)

Der Funkkoffer ist in seiner Demo-Variante sehr schwer und unhandlich. Man kann diesen natürlich kleiner, und handlicher bauen - und vor allem in ein leichteres Gehäuse, wie der Peli-Case-Serie oder preisgünstigerer Varianten (Beispiel) von wasserdichten Koffern.

Für jene, welche sich für die Technik im Inneren interessieren, stelle ich hier auch noch den Schaltplan zur Verfügung, welcher gemäß meiner obigen Beschreibung natürlich keine Überaschungen beinhaltet. Bitte ankllicken, um diesen in einer großen Version darzustellen.

SchaltplanIch werde jedenfalls mit diesem Demo-Koffer zu meinem Produktmanagement und meiner Geschäftsführung gehen und diesen dort vorstellen - nicht nur als Produktidee, sondern auch als ein "durch die Auszubildenden gebautes und ausgeführtes Gerät". Denn sie haben fast alles selbst gebaut.

Und dann geht dieser Notfunkkoffer bei mir zuhause in meinen Koffer-Vorrat über. Man muss ja nichts wegschmeissen wink

Gedanken zu "Meshenden-Netzen"

Seitens der Benutzer unserer Telegram-gruppe werden wir immer wieder auf das Thema „Mesh-Netze“ angesprochen. Hierbei handelt es sich um kleine Computer (Nodes) welche mit einer bestimmten Technologie Textnachrichten austauschen können. Die Technologie ist aus der Richtung von Wetterstationen mit Funksensoren hervorgegangen, da solche Sensoren z.B. Temperaturen, Windgeschwindigkeit und –Richtung oder Regenmengendaten per Textnachricht übermitteln.

Daher kann die Technologie eben auch genutzt werden, um Notfallnachrichten als Textbotschaften übermittelt werden können. Diese können dann (aktuell) über maximal 7 Stationen (Hops) zu einem Empfänger weitergeleitet werden – z.B. zu einer Notfallleitstelle bei einem Ausfall des Telefonnetzes.

Leider zeigen sich hierbei sehr schnell die Grenzen des Systems:

Reichweite = Hops * Distanz (zwischen den Stationen)

Liegen die Funkstationen jeweils ca. 1.000 Meter auseinander, kann nach der Formal eine Distanz von maximal 7km überbrückt werden.

Klingt auf den ersten Blick nicht schlecht, zeigt aber ganz klar die Schwächen. Zum einen ist eben die Anzahl der Hops softwareseitig auf 7 begrenzt. Hoffen wir, dass sich dies noch ändert. Auf der anderen Seite findet die Kommunikationen zwischen den Nodes in der Bundesrepublik Deutschland entweder auf 433 MHz (mit maximal 100 mWatt) und 868 MHz (mit maximal 500 mWatt) statt. Damit lassen sich (Abhängig von Standorthöhe und Antennen) Distanzen von ca. 2-3 km auf 433 MHz und ca. 1-2 km auf 868 MHz überbrücken.

Nein – viel ist das nicht. Zudem werden die Distanzwerte für eine freie Strecke oder Hindernisse angenommen. Bei städtischer Bebauung kann es schnell zu einer Reichweite von nur wenigen hundert Metern kommen.

Sprich: 7 Hops mal 300 m Distanz sind eben nur noch 2.100 Meter Maximalreichweite.

Dies reicht auf keinen Fall aus, um in einem Städtischen Gebiet Notfallkommunikation per Mesh-Netzen derzeit auch nur vernünftig in Erwägung ziehen zu können.

Das Mesh-Netz selbst ist eine gute Idee – aber leider (nicht zuletzt aufgrund der Software-Limitierung) derzeit noch nicht für den Katastrophenfall oder den Ausfall der öffentlich zugänglichen Kommunikation nutzbar.

Ich hoffe natürlich, dass sich hier in Sachen Software noch etwas tut. Die Hardware-Parameter sind nämlich fest gesetzt und können – außer für Inhaber einer Genehmigung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst – nicht überschritten werden.

Quelle: Dokumentation-meshtastic.pdf